Deutschlands kranke Kinder - Was sind sie uns wert?

 

Kinderkrankenpflege darf nicht abgeschafft werden!

Die Bundesregierung ist aktuell dabei die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegeausbildungen als getrennte Ausbildungen abzuschaffen und in einer generalistischen Ausbildung zusammenzulegen. Die Ausbildung soll dadurch attraktiver werden, dass Pflegekräfte durch die generalistische Ausbildung besser für die Pflegekranker Menschen jeden Alters qualifiziert sein sollen und dadurch flexibler und internationaler einsetzbar sind.

Die Verlierer dabei sind unsere Kinder, denn die Generalisierung ignoriert die besondere und verletzliche Situation des kranken Kindes. Eltern, Ärzte und Pflegende befürchten zu Recht einen massiven Qualitätsverlust in der Pflege kranker Kinder und Jugendlicher durch den Wegfall einer auf die Bedürfnisse des kranken Kindes zugeschnittenen Fachausbildung. Auch der AKIK-Bundesverband appelliert an die Einhaltung von Artikel 8 der EACH (European Association of Children in Hospital) Charta:

"Kinder haben das Recht auf Betreuung durch Personal, das durch Ausbildung und Einfühlungsvermögen befähigt ist, auf die körperlichen, seelischen und Entwicklungsbedingten Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien einzugehen. Personal, das kranke Kinder behandelt und betreut, muss über eine auf Kinder spezialisierte Ausbildung sowie Einfühlungsvermögen, Geschick und Erfahrung verfügen. Nur auf der Basis dieser Qualifikation ist das Personal in der Lage, auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und ihren Eltern einzugehen."

Durch die Unterstützung der Petition zum Erhalt des eigenständigen Berufsbildes der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege konnten fast 150.000 Unterschriften gesammelt werden. Initiatorin der Petition ist Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, sowie Lehrerin für Pflegeberufe Frau Monika Otte. Die angestrebte generalistische Pflegeausbildung wird die kompetente pflegerische Versorgung vom Frühgeborenen bis Jugendlichen und ihren Familien nicht sichern können, so heißt es in ihrer Petition. Dies wird durch einen Blick in unser Nachbarland bestätigt. In der Schweiz wurde in den 90er Jahren die spezifische Ausbildung zur pädiatrischen Pflegefachperson durch eine generalistische Ausbildung ersetzt. Der Mangel an Fachkräften konnte bis jetzt nur dank den Pflegenden überbrückt werden, die noch die frühere Spezialausbildung absolviert hatten. Inzwischen müssen händeringend pädiatrische Pflegefachpersonen aus den angrenzenden Nachbarländern abgeworben werden, wo diese Ausbildung noch existiert (Kind+Spital).

Bei der Versorgung von Frühchen hat der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) die Struktur- und Prozessqualität neu geregelt. Laut GBA-Beschluss soll ab 2017 bei intensivtherapiepflichtigen Frühgeborenen eine Pflegekraft ein Frühchen betreuen. Müssen Frühchen auf einer Intensivstation nur rund um die Uhr überwacht werden, soll ab 2017 eine speziell ausgebildete Pflegekraft höchstens zwei Kinder betreuen. Die Perinatalzentren in Deutschland benötigen zusätzlich gut 2 500 Pflegekräfte (+ 43 %) um die neue Qualitätssicherungs-Richtlinie zur Frühgeborenenversorgung des GBA zu erfüllen.

Woher sollen all diese Pflegekräfte kommen?

Werfen wir noch mal ein Blick auf die Attraktivität der generalistischen Ausbildung: Der Beruf Gesundheits- und Kinderkrankenpflege wird überwiegend von Frauen ausgeübt. Diese müssten nach ihrer dreijährigen, allgemeinen Ausbildung eine zusätzliche Fachfortbildung absolvieren. Um auf Intensivstationen arbeiten zu dürfen, müssten sie eine weitere zweijährige Ausbildung oben drauf setzen. Wie attraktiv klingt das, auch in finanzieller Sicht, für junge Frauen, die vielleicht auch eine eigene Familie planen?

Die Frühchenstationen, die dieses Personal nicht vorhalten können, müssten schließen und reihen sich somit zu den Kliniken und Abteilungen ein, die schon geschlossen haben. In der Zeit von 1991 bis 2012 wurde bereits fast jede 5. Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin geschlossen, 40% der Betten wurden abgebaut. Eine Argumentation, dass die Geburtenrate in den Jahren auch gesunken sei, ist nicht relevant, denn die Fallzahlen (Anzahl an Patienten) sind gestiegen!

Bis heute finden die Ängste, Nöte und Bedürfnisse von kranken Kindern nicht genügend Beachtung. Die Gesundheitsversorgung speziell von Kindern in Deutschland wird nicht zum Thema gemacht. Laut Krankenkassen sind sie kein lohnenswertes Geschäft. Laut unseren Politikern sind sie unsere Zukunft, dann aber sollten wir den kranken Kindern auch durch bestmögliche pflegerische und medizinische Versorgung die Chance geben zu physisch und psychisch gesunden Erwachsenen heranzuwachsen.

Wir als Elternverband raten dringend davon ab, die Kinderkrankenpflegeausbildung und damit die Kinderkrankenpflege abzuschaffen und appellieren an die Politik und unsere Gesellschaft den Schritt der Generalisierung der Krankenpflegeausbildungen zu überdenken.

 

Kontakt:

Aktionskomitee KIND IM KRANKENHAUS AKIK-Bundesverband e.V.

Theobald-Christ-Strasse 10

60316 Frankfurt am Main

www.akik.de

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